szmmctag

  • Pause - Headcrash

    Festplatte kaputt (oder Prozessor, ist noch nicht raus), Linksammlung weg, Dokumente weg. Nächste Woche, vermutlich, schaut sich ein Bekannter den Schaden an, dann seh ich weiter.

  • Israelische Besatzungsmacht und ihre Palästinenserbehörde beschließen neue “Intifada”

    Ohne Absprache – wahrscheinlich. Ausschließen sollte man eine Kollusion angesichts der komplizierten Interessenlagen nicht.

    Die Aussage des von der Palästinenserbehörde (PA) beauftragten Pathologen Saber Alul, der erst 30jährige Häftling Arafat Jarada sei vom israelischen Geheimdienst Shin Bet totgefoltert worden, verkündet den Beschluss (1) der PA, sie werde einem neuen Aufstand in den Ghettos nicht wehren. Die Auskunft wäre andernfalls unterblieben.
    Entsprechend unzweideutig kündigte Netanyahu der PA die “Intifada” in Gestalt einer Offensive der IDF an:

    “Israel has conveyed to the Palestinian Authority (PA) an unequivocal demand to calm the territory,” Reuters cites the Israeli government as saying. (RT)

    Arafat Jaradat, Bild IMEMC

    Arafat Jaradat, Bild IMEMC

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  • Liefert Israel kroatische Kriegswaffen an die Al Nusra Front?

    RPG-22

    RPG-22

    Am 19.2. titelte “Debka.file”, das Journalisten aller Couleur als eine Plattform des Mossad für Des-Information ansehen, “Die Truppen Assad’s ziehen sich vom Golan zurück, überlassen Israel den Angriffen der Islamisten“. Die Überschrift gibt gleich einen Eindruck von der Sorte Humor, den man bei Debka pflegt, um so mehr, wenn man ihre Schlagzeile vom Vortag, dem 18.2. in Rechnung zieht: “Syrische Islamisten packen die Hisbollah bei den Eiern – mit Waffen aus dem Kosovo und Bosnien“ -

    Eine Dekonstruktion mit Bezug auf einen Artikel von Liz Sly und Karen DeYoung in der Washington Post

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  • PAKISTAN: Baubeginn der Gaspipeline – Iran fordert die USA heraus

    Auf die Nachricht vom Baubeginn der pakistanischen Strecke der iranisch-pakistanischen Gaspipeline, durch die spätestens Ende 2014 die ersten Lieferungen strömen sollen, reagierte die US-Kriegsdiplomatie umgehend mit Drohungen. Kein Wunder, die feindlichen Fraktionen in Washington dürften sich in dieser Frage selten einig sein.

    Anschlag in Quetta, credit: nuclearagent, thevsky.com

    Anschlag in Quetta, credit: nuclearagent, thevsky.com

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  • Vertrag zwischen PYD und FSA in Serêkaniyê – Friedensschluss "gegen Assad”?

    Vor einem Monat machte ich euch in “Fanfaren für neuen Krieg um die syrischen Nordostprovinzen” mit einem Artikel eines Veteranen kolonial-imperialen Kriegsjournalismus, David Hirst, im Guardian bekannt, der unverblümt für einen Vernichtungskrieg gegen die PYD in Syrien warb, bzw. ihn anzukündigen schien. (...)
    Ende Januar bekam der Plan von unerwarteter Seite Gegenwind.

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  • Goldfetisch – der Traum vom gewaltfreien Geld

    2004.06.17.scroogeDen Onkel Dagobert, die populäre Versinnbildlichung des Gold- und Geldfetischs sollten wir schnell hinter uns lassen. Er symbolisiert die Sonderform eines älteren “Fetischs” – wenn man das so nennen will – den des Schatzes, der zum Beispiel für einen Sibirier in einem Satz Tierfallen, zuzüglich etwa einem Paar Fellschuhe und Fäustlingen bestand, die er für den Fall in ein Erddepot versenkte, dass er sie am gegebenen Ort dereinst dringend brauchen könnte. (...) Hier soll es nicht um den Schatzbildner gehen, obwohl der Anlass ein Artikel über Goldschätze ist – die der Zentralbanken, die angeblich  zu erklecklichen Teilen durch stumpfes Wolfram und Blei ersetzt wurden.

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  • Mali - Todesschwadrone aus dem Tschad in Kidal & andere Angelegenheiten

    Zeter und Mordio in einem Teil der malischen Presse, weil den Touareg, die "vergessen" haben, wo ihr "Platz" ist, nicht "auf die gehörige Weise der Garaus" gemacht wird, "die ihnen gebührte".

    Wenn Kämpfer der MNLA, ihre Sympathisanten, und vielfach auch Angehörige der Stammesgruppen, die (auf welche Weise immer und ob zu Recht oder Unrecht) als zu ihrer Gefolgschaft gehörig betrachtet werden, sich im Lande bewegen, dann müssen sie das bewaffnet tun. Schließlich stehen sie seit fast einem Jahre im Krieg mit den islamistischen Gruppen, und noch länger mit den sogenannten "Drogen-Terroristen", zu denen vor zwei Jahren der damalige Botschafter Frankreichs in Mali in der französischen Presse öffentlich verkündete, sie verfügten zum Teil über "beste" Verbindungen in die Umgebung der malischen Regierung ...

    Eine Entwaffnung der Touareg wäre also nicht nur wegen der, nun, sagen wir: Gefahren, die von der malischen Armee oder den Horden bewaffneter Bestien aus dem Tschad drohen, mit einem Todesurteil für viele von ihnen gleichzusetzen. 1800 Soldaten aus dem Tschad sind in Kidal stationiert worden. "Bewaffnete Bestien"? Sehr wohl, dazu gleich mehr.

    Aber zuvor sei eine Anekdote berichtet, von der dieser Artikel eine Menge Aufhebens macht.
    Acht abwechselnd "Jihadisten" und "Terroristen" genannte Gefangene seien aus der Provinz Gao nach Séveré überführt worden. Das Schicksal eines von ihnen ist ausführlich erzählt. Er sei von einem Pick-up gefallen, heißt es, als die französische Armee eine Fahrzeugkolonne mit Bewaffneten angriff. Die "Bevölkerung" habe den Mann "überwältigt", heißt es, und, "statt ihm auf die gehörige Weise den Garaus zu machen, die ihm gebührt hätte" ("au lieu de lui régler le compte en bonne et due forme"), habe sie ihn brav in "Achtung der Menschenrechte" an die Gendarmerie ausgeliefert.
    Über den Zustand des Eingelieferten verlautet der Artikel nichts.
    Die Geschichte stellt ziemlich klar, daß gewisse Rücksichten, die die französische Armee in der Provinz Kidal zur Zeit noch zu nehmen scheint, erstens der Geiseln wegen, zweitens wegen der vor großem Publikum geäußerten Bedenken des Präsidenten Burkina Faso's, den zu beschädigen zur Zeit taktisch unklug wäre, und last but not least gewisser amerikanischer Ansprüche wegen, die soeben Joe Biden in Paris erhoben hat, daß also diese gewissen Rücksichten der französischen Armee die Stammesangehörigen der Touareg nicht davon ausnehmen, aus der Luft in einen Blut- und Fleischnebel verwandelt zu werden, wenn dafür grad irgend ein Anlaß vorliegt, und sei es nur der, Munition nicht treibstoff vergeudend durch die Wüste zu fliegen -

    Jetzt zu der Todesschwadron aus dem Tschad.
    Niemand Geringeres, als das wissenschaftliche Organ der CIA, des NED, das Organ von Leuten um u.a. John McCain, George Soros, Hillary Clinton, die International Crisis Group, hat im Jahr 2009 in einem langen Dossier behauptet - wenn auch nicht ganz wörtlich - es handele sich um Bestien und eben Todesschwadrone, aber keine "Armee".
    Wer den langen, mit zahlreichen akademischen Verweisen gespickten Text nicht lesen kann oder mag, verschaffe sich einen Ersteindruck über den Wikipedia - Eintrag zu dem seinerzeit von der CIA aufgebauten Schlächter vom Tschad, Hissène Habré, auch "Pinochet Afrikas" genannt. Im ICG-Dossier heißt es, die Armee des Tschad blicke auf eine "wechselvolle", aber im Kern "ungebrochene" Tradition aus der Zeit der Habré'schen Todesschwadrone zurück.

    Das "Schmankerl", das Hollande bewogen haben mag, die Bestien vom Tschad nach Kidal zu berufen, ist hier angesprochen.
    Der jetzige "Regierungschef" Libyens, Mohammed Magarief, war seinerzeit ein vom CIA gesponserter (die Organisation hat sich dazu bekannt) Terroristenführer im Kampf gegen die Dschamahiriya Muammar Gaddafis und Verbündeter Habrés. Hunderte, wenn nicht viele tausende Leben hat der US-Gouverneur Libyens auf dem Gewissen, was ihn fest an der Kette seiner Herren hält.
    Gaddafi hatte Habré seinerzeit unter dem Vorwand von Territorialstreitigkeiten (1) den Krieg erklärt und etliche Gruppen der Touareg gegen ihn mobilisiert. Die Kämpfe zwischen Touareg und den Stammesgruppen der Zaghawa, auf deren ethnische Ansprüche sich Habré stützte, und die bis heute aus herrschaftstaktischen Gründen den ethnischen Kern der bewaffneten Kräfte der Regierung bilden, waren lang und grausam, bis Gaddafi eingestehen mußte, Habré nicht stürzen zu können.
    Man darf annehmen, daß, falls die Bestien vom Tschad diese Geschichte vergessen haben sollten, Hollande, oder, aus alter Freundschaft, Magarief sie daran erinnern wird -

    Der Grund, warum wir noch nicht vom Großen Schlachten in der Provinz Kidal hören, weil das im Zeitalter der Satellitentelephonie nicht vollständig zu verbergen geht, dürfte in einer kurzen Meldung in badama.com zu suchen sein:

    Frankreich dient Mali als Vermittler gegenüber der MNLA, um seine (Frankreichs!) Geiseln zu befreien

    Diese Überschrift, ihre Aussage und Qualität, dürfte (fast) alles über die Lage sagen. Niemand in Frankreich hat je behauptet, die MNLA habe die 8 französischen Geiseln genommen, die man im Norden der Provinz versteckt vermutet. Sie werden abwechselnd in der Hand der MUJAU oder AQMI vermutet. Und die Vorstellung, die der Artikel beruft, daß die Franzosen beim Oberneger in Bamako Bücklinge machten, um von ihm artig Verhandlungen mit der MNLA mit dem Ziel der Freilassung der Geiseln zu erwirken, ist halt die nicht untypische malische Art den Franzosen zu sagen, was sie die Malis tun können, haben sie ihre weißen Ärsche erstmal aus der Wüste entfernt, die sie beschmutzen.

    Unten noch ein paar unkommentierte französischsprachige Links.

    (1) Die "Ansprüche" Libyens waren nicht nur reichlich aus der Luft gegriffen, Libyen hatte auch null Interesse an dem strittigen Territorium, außer, daß es eine Zone war, aus der die CIA ihrer Terrorgruppen entsandte.

    http://bamada.net/mnla-desarmera-desarmera-pas/
    http://bamada.net/actions-terroristes-des-islamistes-au-mali-apres-la-pluie-le-mauvais-temps/

    Besonders informativ das Interview mit Assarid Ag Imbarcawan, 2ème Vice président de l’Assemblée nationale:
    http://bamada.net/assarid-ag-imbarcawan-il-y-a-trois-conditions-pour-dialoguer-avec-le-mnla/

  • Thema Burgas. "Bereitet die israelische Regierung einen Konflikt mit den libanesischen Schiiten vor?"

    Unter diesem Titel läuft ein Artikel von mir zur False-Flag Operation in Burgas auf NEOpresse.

  • Syrische Chemiewaffen - die Dreiundzwanzigste

    Nicht nur in der "Berliner Umschau", auch international gibt es eine Neuauflage dieser Psy-Op, zu der ich am 9. Dezember in NEOpresse das Nötigste gesagt habe.

    Syrien hat keine Chemiewaffe

    Kurz zusammen gefaßt: Syrien lagert ziemlich sicher unentsorgte Kampfstoffe aus den 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts, vermutlich auch noch Material aus eigener Waffentechnologieforschung aus den 90gern. Was davon noch brauchbar sein könnte, taugt unter den heute gegebenen Voraussetzungen nicht für militärische Zwecke, allenfalls für vereinzelte terroristische Angriffe von begrenzter Wirkung. Zu den Hintergründen der Psy-Op vom Dezember schrieb ich am Schluß:

    As-Safir hat am 6.12 einen Artikel des Pariser Korrespondenten von "Al Manar”, Mohammad Ballout veröffentlicht, der über Angaben und Aussagen des russischen Außenministers gegenüber Vertretern der innersyrischen Opposition Bericht erstattet. Lavrow soll gesagt haben, in den nächsten Wochen werde es voraussichtlich eine große Angriffswelle geben, aber "Wenn Assad [sie] übersteht, werden vor ihm andere Regimes in der Region fallen” (Quelle)

    Lavrow könnte theoretisch Saudi-Arabien gemeint haben – aber genauer besehen ist das unwahrscheinlich. Ein saudischer Politikwechsel, der einen radikalen Wandel der Syrienpolitik brächte, ist schwerlich abzusehen. Aber Netanyahu droht im Januar die Abwahl

    Der letzte Satz mag seinerzeit verwegen geklungen haben, wurde jedoch durch die Wahlergebnisse bestätigt: Entgegen der flächendeckenden Propagandalüge, Netanyahus Regentschaft sei ungefährdet, entging er der Abwahl nur knapp. Heißt das, Netanyahu knüpfe mit der Neuauflage des Chemiewaffen-Takes einfach bruchlos an die Kriegspolitik der Vorwahlzeit an?

    Ja ... und nein, behaupte ich.

    Kein israelischer Angriff auf den Iran!

    Unterschätzt habe ich damals Wandlungen in Saudi-Arabien. Am 3. Februar ließ das saudische Kabinett nach einigem Zögern eine offizielle Verurteilung der israelischen Luftangriffe in Syrien über die staatliche Nachrichtenagentur verbreiten.

    Für den Moment ist das noch nicht als ein Rücktritt Saudi Arabiens vom Angriff auf Syrien zu nehmen, den das Königshaus nach ernst zu nehmenden Gerüchten erwägt. Umso schwerer wiegt die implizite Absage Saudi Arabiens an einen von Israel initiierten oder erzwungenen Luftschlag gegen den Iran, für den Saudi Arabien seit Jahren warb und der Öffentlichkeit mitteilte, die IDF mit den Freund-Kennungen auszustatten, die sie für die Nutzung saudischen Luftraums benötige.

    Wie ich in einem langen Essay zu den israelischen Kriegsplänen zeigte, deren Anlaß ein Artikel des jüdischen Apokalyptikers David P. Goldman in der "Asia Times" vom Sept. '12 mit dem Titel "All-out Middle East war as good as it gets" war ("Ein totaler Krieg im Nahen Osten ist das Beste, was zu haben ist"), ist die israelische Luftkriegsdrohung gegen den Iran unter dem Titel, eine atomare Bewaffnung des Iran zu verhindern, militärtaktisch überlebt. Was "ginge", wäre ein atomarer Enthauptungsschlag gegen die iranische Führung. Doch der bedarf meines Wissens eines Paktes mit der türkischen und amerikanischen Marine, die israelische "Dolphins" ins Schwarze Meer zu schleusen hätten. Ein atomarer Luftangriff von israelischem Boden aus verfehlte sein Ziel, da die russische Luftaufklärung der iranischen Führung ausreichend Vorwarnzeit zur Evakuierung verschafft, und Azerbeidschan wird gewiß nicht so weit gehen, Israel einen Atomschlag gegen Teheran von seinem Boden aus führen zu lassen.Die Initiierung eines Irankrieges ist für Israel daher "vom Tisch".

    Einen Waffengang gegen Syrien nach libyschem Vorbild zu erzwingen, kommt für Israel nach jüngsten Aussagen seines Außenministers ebenso wenig in Frage. Was bleibt Israel also, sich gegen eine amerikanische Neuordnung der Region zu wehren, welche die Regional- und Ordungsmacht seiner kolonialen Militäraristokratie auf die Einspruchstitel zu reduzieren droht, die ihr eine atomare Bewaffnung verschafft, die für einen Irankrieg militärisch noch nicht und politisch nicht mehr ausreicht?

    Angriff auf den Libanon

    Diese Option hatte Israel mit der False-Flag-Operation in Burgas, Bulgarien, im vergangenen Sommer vorbereiten wollen. Zu Lasten etlicher toter und schwer verwundeter israelischer Touristen ging es daneben. Die bulgarischen Behörden weigerten sich, die Operation zu Lasten der Hisbollah oder des Iran zu decken, die deutsche Außenpolitik setzte sich in der EU gegen die Klassifizierung der Hisbollah als "Terrororganisation" durch und aus den USA kamen die bei diesem Thema gewohnt widersprüchlichen Signale. Der Kill-List - Verwalter Obamas und designierte CIA-Chef Brennan trommelte für den Krieg, gegen den sich klar und entschieden die Pentagon - Führung stellte, und Obamas "Maulwürfe" in Clintons State Department - Establishment, wie William Burns, plädierten im Gegenteil für die Anerkennung der Hisbollah als des Garanten libanesischer Stabilität, die sie ist.

    In die Reihe dieser Ereignisse gehört, daß es der mit der Hisbollah wenig verdeckt sympathisierenden libanesische Zeitung Al Akhbar möglich war und sie sich traute, prüffestes geheimdienstliches Material zu veröffentlichen, das die Verwicklung libanesischer Parlamentarier und Feinde der Hisbollah, einschließlich ihres Sponsors Saad Hariri, in die Bewaffnung, Finanzierung und Entsendung salafischer und takfirischer Söldner nach Syrien bewies. Ohne Protektion von allerhöchster Stelle dürfte so etwas tödlich sein. Der Preis für das Überleben der Überbringer ist wohl, daß auf der anderen Seite Versuche unterbunden werden, Hariri und seine Mitstreiter juristisch aus dem Verkehr zu ziehen.

    Und schließlich war das Aufgebot mariner Landungstruppen, das die USA im Dezember in die Nähe der levantinischen Küste verlegte, ziemlich offenkundig dazu gedacht, einen mit einer neuen False-Flag Operation eingeleiteten israelischen Angriff auf die Hisbollah mit einer Besetzung Tripolis und Beiruts zu kontern, wie schon 1982, um der Freizügigkeit der IDF die Grenzen ihres Patrons aufzusetzen.

    Die Hürden, die einem militärischen Überfall Israels auf den Libanon gesetzt wurden, sind also wahrscheinlich sehr hoch gelegt. Das erklärt zwanglos, warum Israel einen Luftangriff in Syrien flog, den es offiziös ausschließlich an die Hisbollah (und mittelbar den Iran) adressierte. Doch dieses Manöver evoziert auch den Preis, dessen Entrichtung Israel den USA und ihren Verbündeten für die Unterbindung einer israelischen Okkupation des Südlibanon abzuverlangen gedenkt: Eine Somalisierung Syriens verbunden mit der Besetzung weiterer Teile des Golan.

    Die Höhe dieses Preises erklärt nun wiederum die Neuauflage des Sautreibens mit Chemiewaffen, bei dem diesmal bezeichnenderweise nicht mehr von den Kampfstoffkomponenten die Rede ist, sondern von "Munition", über die Syrien nach Angaben der CIA so gut wie gewiß nicht verfügt. Was interessiert die CIA ihr dummes Geschwätz von gestern. Am Werk ist also die Lobby eines israelischen Libanonkrieges in den USA, die mit den personellen Veränderungen im State Department und auf einigen Positionen in der zweiten Reihe erheblich an institutionellem Einfluß verlor. Daher ist diese Lobby mehr, als je zuvor in den vergangenen 12 Jahren, auf Intrigen und verdeckte Operationen verwiesen.

    Das allerdings ist in Verbindung mit Chemiewaffen verdammt gefährlich.

  • Israelische Diplomatie deutet Junktim zwischen Israels Bestand und Syriens Somalisierung an

    UPDATE
    Dem Luftwaffenhelden und Ex-Geheimdienstchef Amos Yadlin kam es zu, nahezu im Klartext auszusprechen, was ich unten aus den Verlautbarungen des amtierenden Außenministers rekonstruierte:

    Yadlin told reporters that the destabilization of the Damascus regime is not necessarily a bad omen for Israel. In fact, he said, the potential overthrow of the regime "was a great opportunity for Israel and could be very promising if it takes Syria out of the radical axis."
    "After President Bashar al-Assad falls, Syria — whatever its constellation may be — would be preoccupied with reconstruction; the large fighting force it will have at its disposal would be turned inward, not outward; it would be hard to imagine Syria turning toward armed conflict with Israel."

    (Quelle)

    Es wird vielen Lesern nicht gefallen, aber Äußerungen des amtierenden israelischen Außenministers im Focus und im Standard, zuzüglich einer Meldung von ITAR-TASS, lassen kaum einen anderen Schluß zu.

    "Wenn Syrien implodiert, schwappt das Chaos über"
    Dieser Titel des Focus- Interviews führt komplett, wenn auch vermutlich unabsichtlich, in die Irre. Denn was Ayalon zu Beginn zur bedingten Befürchtung stilisierte, das stellt er wenige Augenblicke später als Faktum dar:

    Was als arabischer Frühling euphorisch und spontan angefangen hat, hat sich in einen islamischen Winter, in einen Alptraum verwandelt. Islamistische Kräfte haben sich der Bewegung bemächtigt. Für Israel bedeutet das, alle Risiken auszuschalten.

    Ausschalten will Israel - richtiger gesagt: seine Militäroligarchie - folglich sowohl das Risiko, daß die nationale Restauration in Syrien gelingt, als auch, daß die Verteidiger Syriens den Kampf gegen die von Islamisten übernommenen Angreifer verlieren.
    Übersetzt: "Israel" - also der zionistischen Militäroligarchie -  stünden auf syrischem Territorium nurmehr schiitische und sunnitische Feinde zur Wahl, beide werde sie "ausschalten" zumindest im Sinne von "kalt stellen".

    Im Libanon ist die Lage, die Israels Eingreifen beruft, längst da, erklärt Ayalon wenig verschleiert. Die Hezbollah, bekanntlich eine libanesische Regierungspartei und kommunalpolitische Organisation der schiitischen Bevölkerung des Libanon - neben ihrer erklärten Funktion als "Resistance", als Verteidigungsmiliz gegen die alle paar Jahre stattgehabten israelischen Invasionen und Besetzungen - .

    .. dient nicht libanesischen sondern iranischen Interessen. Um das zu betonen: Wir suchen nicht die Eskalation, aber wir haben ein Recht auf Selbstverteidigung.

    Diese Selbstverteidigung stilisiert den Kampf gegen die Hezbollah getreu dem Motto Kissingers, Israel treibe auf dem ganzen Globus nur Innen-, keine Außenpolitik, zur innenpolitischen Mission.

    Konkreter wurde Ayalon gegenüber dem österreichischen Standard:

    Die Lage ist beinahe aussichtslos. Denn es ist ein Nullsummenspiel zwischen Bashar al-Assad und den verschiedenen Fraktionen der Opposition geworden. Und es ist auch zwischen einigen Mitgliedern des Sicherheitsrates ein Nullsummenspiel geworden. Es gibt derzeit keine Möglichkeit, von außen Einfluss zu nehmen. ... Assad wird früher oder später fallen. Aber er wird das Land nicht verlassen. Seine Rückzugsposition wird wohl eine alawitische Enklave an der Küste bei Latakia sein, die vom Iran und der Hisbollah unterstützt wird.

    Dieser Verlauf und dieses Ergebnis soll nach Ayalon also unvermeidlich sein, die Antwort auf die Anschlußfrage ist daher eine direkte und kenntliche Lüge:

    STANDARD: Wird Syrien zerfallen? Ayalon: Das wäre das Worst-Case-Szenario. Die Gefahr besteht, dass Syrien ein gescheiterter Staat wie Somalia wird.

    Diese angebliche Gefahr ist vielmehr das militärische Ziel Israels, weil das Chaos einer Somalisierung beide gegenüber dem "Focus" genannten "Gefahren" für Israel ausschaltet.
    Daß Chaos die einzige Option dieser "Ausschaltung" sein soll, teilt Avylon wie folgt mit:

    STANDARD: Tritt Israel für eine militärische Intervention in Syrien ein?
    Ayalon:
    Die Gelegenheit dafür ist verstrichen. Vor einem Jahr wäre es noch leichter gewesen. Heute kann man von niemandem verlangen, dort Truppen hinzuschicken, weil sie von allen Seiten unter Beschuss gerieten.

    Wie Israel das Chaos verwaltet sehen möchte, sagte Ayalon dem "Standard" auch:

    Vielleicht gibt es eine Chance für eine Mission der Arabischen Liga ...

    nämlich, dann, wenn das Chaos, zu dem Israel mit all seinen Kräften beitragen will, vollendet ist:

    ....sobald die Situation klarer wird.

    Dann sollen die - mehr oder weniger widerwilligen regionalpolitischen Partner der Zionisten aus der Türkei, Saudi Arabien, den Emiraten und - falls die "Lage" dort bis dahin bereinigt ist - Ägypten die sündteure und blutige Drecksarbeit übernehmen, das Chaos zu verwalten - vielleicht in etwa nach dem Muster der Verwaltung der Pali-Ghettos. Nun versteht freilich nicht jede Intelligenzbestie der außenpolitischen Eliten ein auf diese Weise vorgestelltes Programm, vor allem ihre führenden Köpfe dürften dazu eher weniger imstande sein. Deshalb gab es jenes "Leck" an ITAR TASS:

    The Israeli military has prepared a plan to set up a 16km buffer zone inside Syria to prevent Islamist insurgents from crossing over to Israel.

    Die Vorstellung dieses "Crossing over" ist angesichts des Sperraufgebotes gegen palästinensische Subversion aus Syrien mehr als albern, es ist eine Beleidigung des Publikums. Damit die sehr konkret verstanden wird, heißt es weiter:

    The security belt will allegedly accommodate two infantry brigades and one tank battalion.

    Israel erwäge eine ganze Armee auf syrisches Territorium zu verlegen. Natürlich tut Israel das nicht. Aber auf diese Weise teilt es auch dem dümmsten Arschloch mit, daß es einem Sieg der Opposition eine Besetzung syrischen Territoriums folgen lassen will. Mit allen leicht vorstellbaren Folgen für die Region. Konkret:

    Entweder werde man Israel zerstören müssen, oder Israel werde Syrien zerstören - ein Drittes gebe es nicht.
    ------------------------------

    Diese Entwicklung ist einer der Hauptgründe, warum ich seit Jahrzehnten gegen die zionistische Militäroligarchie hetze. Sie war absehbar, sie war und ist angelegt in der Herrschaft einer kolonialen Kriegeraristokratie mit einer theokratischen Staatsraison.

    Der Zusammenhang mit dem israelischen Luftangriff auf Syrien ist in meinen letzten NEOpresse- Artikeln hergestellt.

    Luftangriff nahe Damaskus: Israels Cruise Missile – Diplomatie
    Zur 49. Münchner Sicherheitskonferenz nebst einigen Hintergründen (Teil 1)

  • Mali: "Hier die Liste der Verräter, die niederzumachen sind"

    update 5.2. nachmittag

    Ich übersetze aus dem Französischen nicht so leichtfüßig, wie ich's gern hätte, deshalb, und generell aus Zeitmangel, ein update in Gestalt einer Zweitverwertung eines Kommentars, den ich anderswo abgab, ohne Nach-, Verweise und genauere Argumente:

    "Daß der Interimspräsident sich für Verhandlungen (mit der MNLA) ausgesprochen habe, ist fast mit Sicherheit eine grobe, fette Lüge.
    Richtig daran ist nur, daß er Verhandlungen nicht prinzipiell *ausgeschlossen* hat. Stattdessen hat er, seinem französischen Patron nachplappernd, die Entwaffnung der Touareg allgemein und der MNLA besonders zur Vorbedingung für "Gespräche" erklärt. Nur: Mit den Entwaffneten *hat* man nichts mehr zu reden, wie ein Presseüberblick in Mali ohne Abstriche zeigt. Dann würde es nur noch darum gehen, ob die Anhänger der Unabhängigkeitsbewegungen symbolisch zu Dutzenden aufgehängt, zu hunderten erschossen, oder zu Tausenden massakriert werden.

    Das BISSCHEN Fassade, auf das die Redakteure der "Wochenschau" tatsächlich 'reingefallen sein könnten, hat offenbar damit zu tun, daß der Präsident Burkina Faso's, der die Funktion des Sprechers der ECOWAS innehat, sich öffentlich vehement gegen den beabsichtigten Genozid stellt und dafür intern gewiß das "Argument" mobilisieren kann, daß Burkina Faso aus geographischen Gründen die unvermeidliche Fluchtbewegung zu tragen hätte und darüber selbst ins Gedränge käme. Und vermutlich wird er auch auf einige Alliierte bei der UNO, vielleicht auch beim Africom verweisen können.

    Die Franzosen und Malis haben unterdessen Fakten geschaffen. Sie verbrachten 1800 "Soldaten" aus dem Tschad nach Kidal, die zu den gefürchtetsten Schlächtern, Plünderern, Vergewaltigern und sadistischen Schindern der Region zählen. Und an diesem Schauplatz hat das noch eine besondere Tradition. Gaddafi stellte in den 80ger Jahren Touareg-Brigaden zum Kampf gegen diese Brut auf.

    Das alles sind leicht beschaffbare Infos für jeden, der französisch lesen kann, selbst eine beschissene Google Übersetzung würde für vieles ausreichen. Deshalb macht mir niemand weis, diese Desinformation sei ein Versehen."

    update 5.2.
    Im Verlauf des gestrigen Tages brach die MNLA ihr Schweigen.
    Sie rechnete sich die Ergreifung von Mohamed Moussa Ag Mohamed (Ansar Dine) und zusätzlich von Oumeïni Ould Baba Akhmed (MUJAO) zu. Sie behauptet, die Gefangenen selbst verhört zu haben, bevor sie sie "den Behörden" in Kidal "überstellte" und "die aus dem Verhör gewonnenen Informationen der französischen Armee mitgeteilt" zu haben.
    In dem Communiqué folgen ein paar Sätze, die unzweideutig auf die MIA gemünzt sind. Ich zitiere sie im Original:

    Le MNLA apporte la preuve qu’il est la seule force politique et militaire valable dans l’Azawad et dément concrètement les mensonges de certains qui seraient mieux inspirés de faire l’économie de leurs allégations quand le MNLA agit concrètement sur le terrain.

    L’acharnement de certains cercles obscurs qui cherchent à diminuer ou à noyer le MNLA avec des groupes artificiellement crées se trompent lourdement s’ils estiment faire l’impasse sur les nobles objectifs des azawadiens dont le MNLA demeure le seul représentant légitime. Il doit être bien compris que les mêmes causes engendrent les mêmes effets et que ce n’est pas en rééditant les mêmes pratiques, et avec les mêmes personnes, que le problème de l’Azawad se réglera. Le MNLA tout en étant entièrement engagé dans la lutte contre le terrorisme ne perd pas de vue l’intérêt suprême de la population azawadienne qui a placé en lui sa confiance.

    Update ende

    Nach der gestrigen Luftwaffenoffensive in der Provinz Kidal wurden heute der Abschuß "aller Mitglieder der Befreiungsbewegung der Touareg", MNLA, öffentlich zum "Segen für die Nation" erklärt.

    "In einer lächerlichen Verlautbarung haben die Verräter der Republik offizielle Vertreter der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) benannt. Diese Männer und Frauen sind die wahren Kriminellen, die als Erste begonnen haben, den Staat Mali anzugreifen, indem sie Soldaten in Aguelhok, Tessalit und anderen Orten, die von den Ihren besetzt waren, töteten.

    Tot oder lebendig, jedes Mitglied dieser machiavellischen Organisation, das getötet oder verhaftet wird, ist ein Segen für die Nation."

    Es folgt eine Kopie der Liste der 29 Männer und zwei Frauen, die am 25. Jan. auf einem Kongress der MNLA in einen "Übergangsrat des Staates Azawad" berufen worden waren.

    Damit sind meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, zumal der Zeitpunkt dieses Aufrufs zum Massenmord, 10 Tage nach öffentlichem Erscheinen der Liste, praktisch ausschließt, daß es keinen Zusammenhang mit der in der Nacht zu Sonntag begonnenen Gewaltoffensive der französischen Luftwaffe in der Provinz Kidal gibt.
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    Eine weitere, wenn auch für sich allein stehend unklare Bestätigung, war gestern abend die Meldung über die Verhaftung des angeblichen "theoretischen Kopfes" der Ansar Dine, Mohamed Moussa Ag Mohamed durch eine ungenannte "bewaffnete Gruppe".
    Ob die AFP Insiderinformationen hat oder nur rät, für mich ist nahezu gewiß, daß das Chamäleon zwischen MNLA, Ansar Dine und AQMI, Alghabass Ag Intalla, der immer mehr den Eindruck eines von den Franzosen oder Amerikanern gekauften Verräters der MNLA macht, der auftragsgemäß beitrug, die säkularen Touareg durch die Islamisten zu kompromittieren und schließlich auszuliefern, hinter dieser Verhaftung steckt. Er und seine neu "akkreditierte" Bande, MIA (1), verfügten über das Wissen, Mohamed Moussa auszuliefern, die MNLA ziemlich sicher nicht.

    Und das Interview, das telephonische Interview, das Andy Morgan vor wenigen Tagen mit Ag Intalla geführt hat, ist eher geeignet, diesen Eindruck zu bekräftigen, als in Zweifel zu ziehen.

    (1) Für diese Auslegung spricht auch die Person des Mannes, der zum Überbringer der Nachricht gemacht wurde. Abdoulaye Touré, den Bamada-net im Dezember zur "Persönlichkeit des Monats" erkor, ist gewiß ohne große Übertreibung als Gouverneur der Weltbank und des IWF für den Süden des Azawad, die Ländereien des Nigertales anzusehen. Er verwaltet ca. 110 Mio. Dollar internationaler Gelder für die "Entwicklung" der malischen Landwirtschaft, eine horrende Summe für malische Verhältnisse. Wie man dem Interview leicht entnimmt, ist die Absicht, die Landwirtschaft entlang des Niger und seiner Nebenflüsse weltmarktfähig zu machen, was die Subsistenz der agrarischen Bevölkerung zugunsten der Landeigentümer vernichtet. Zum Ausgleich soll diese Bevölkerung, so weit sie sich dazu bewegen läßt, proletarisiert und in Manufakturen gesteckt werden, in denen sie für Hungerlöhne Erstverarbeitungsstufen der agrarischen Produkte übernehmen.
    Genau der richtige Mann, den Touareg ihr Schicksal zu läuten!

  • Nach Hollandes Triumphzug in Timbuktu, Völkermord?

    UPDATE 4.2.: Der Genozid hat begonnen, daran läßt eine heute in bamako.com veröffentlichte Todesliste so gut wie keinen Zweifel mehr: Übersetzung und Kommentar.

    Eine Woche lang konnte man hoffen, Wortmeldungen, einschließlich meiner eigenen, die einen Genozid an der Bevölkerung Nordmalis, insbesondere Berbern und Arabern vorher sagten, seien gröblich übertriebene Unkenrufe gewesen.

    Verläßliche Nachrichten aus den Kampfgebieten waren freilich nicht zu erhalten. Zu abgelegen, zu wenig erschlossen ist die Region Azawad, zu dicht gestaffelt die von der malischen Armee und Regierung offiziell verhängte Zensur über Berichte aus dem Kampfgebiet, die auch die mit den Franzosen verbündeten algerischen Behörden einzuhalten suchen. Algerien und Mauretanien haben zusätzlich vermeiden wollen, mit schlechten Nachrichten zum Anschwellen der Flüchtlingsströme beizutragen. Der Fluchtweg in den Niger war nach Angaben des UNHCR versperrt. Sporadische Nachrichten von Übergriffen der malischen Armee, Folterungen, Plünderungen, Exekutionen, die die Zensur passierten oder zu umgehen schienen, wirkten vor diesem Hintergrund wie Zugeständnisse an die Glaubwürdigkeit der offiziellen Verlautbarungen, zumal stets dieselbe 20 Leichen aus Sévaré präsentiert wurden. Aber das mußte nicht umgekehrt heißen, daß die Fassade grausliche Nächte der langen Messer deckte.

    Dagegen sprach die Widerstandslosigkeit, mit der die Städte in die Hand der Interventionstruppen und der nachrückenden malischen "Armee" zu fallen schienen, zog man die Dauer der Operationen in Rechnung. Dagegen sprachen vor allem die Flüchtlingszahlen, die das UNHCR vor wenigen Tagen veröffentlichte, obwohl auch sie getürkt schienen. Sechs Tage nach Beginn der französischen Angriffe hatte die UN unter Berufung auf örtliche Quellen mitgeteilt, es seien rund 30.000 Flüchtlinge aus dem Azawad gezählt worden. Dieser Bericht ist verschwunden. Jetzt ist nur noch von 16.000 Flüchtlingen die Rede, gezählt in Mauretanien und Burkina Faso, nicht in Algerien und dem Niger, und nicht im Süden Malis, wo Flüchtlinge als IDP's, internal displaced people gelten, für die es noch keine Registratur gibt.
    Dennoch, das war nicht das "worst case"- Szenario von 400.000 Flüchtlingen, gleich 40% der geschätzten Bevölkerung des Azawad, das bei der UN zu Beginn befürchtet worden war, es war auch nicht die Hälfte davon, wahrscheinlich nicht einmal 100.000 - so stark, denke ich, hätte man die Berichte nicht schönen können und mit Blick auf den erwogenen Einsatz einer UN-Schutz- und Besatzungstruppe auch nicht schönen wollen.

    Das dickere Ende  kann freilich noch kommen. Es scheint niemanden zu geben, der halbwegs verläßlich über die Bevölkerungsverteilung in Nordmali Auskunft gegen kann, auch nicht im Lande selbst. Wenn nach dem Einrücken der Soldaten in den Städten ein mehr oder minder großer Teil der Einwohner aufs Land geflohen ist, dürfte die Ernährungslage, vielleicht auch die Wasserversorgung dort schnell verzweifelt werden, zumal die Flüchtigen die jeweilige Region über die bewachten Straßen nicht verlassen werden - sofern sie überhaupt über Transportmittel verfügen. Es braucht niemand überrascht zu sein, wenn demnächst von zig Tausenden Unterernährten und Verdurstenden die Rede ist, die ohne Blitzaktionen zum Sterben verurteilt sind.

    Ein weiterer Hoffnungsschimmer waren die ersten Meldungen über das Einrücken französischer Truppen in Kidal, gewissermaßen der "Hauptstadt" und "Wiege" der Touareg-Rebellionen der vergangenen Jahrzehnte, einschließlich der  vom Beginn letzten Jahres, die von islamistischen Kämpfern der Ansar Dine, Mujao und AQMI übernommen worden war,  und das Tor zu den nördlichen Streif- und Residenzgebieten der halbnomadisch lebenden Stämme. Die Strauchdiebe und Vergewaltiger waren zurück geblieben und die MNLA, die säkulare nationale Befreiungsorganisation der Touareg meldete auf ihrer Website, sie stünde in Verhandlungen mit den französischen Streitkräften, mit dem Ziel, die malische Armee aus Kidal und den nördlichen Gebieten heraus zu halten, bis eine vorläufige Einigung mit der malischen Regierung über einen politischen Einigungsprozess über die Selbstregierungsansprüche der Stämme des Azawad erzielt sei. Die französische Abteilung bestätigte "Verhandlungen", aber nicht den Inhalt, den die MNLA angab.

    Einen Tag später rückte nach Angaben des malischen Armeesprechers eine "Vorausabteilung" der "nationalen Armee" in Kidal an, um für nachfolgende Garnisonstruppen "Quartier" zu machen. Die MNLA blieb stumm.

    Am Samstag folgte der Triumphzug der Cäsaren. Hollande, Fabius und Le Drian wurden nach Timbuktu geflogen und angeblich von der Bevölkerung frenetisch als Befreier gefeiert.

    Keine zwölf Stunden später - ein Gewaltschlag, ein wahrer Overkill der französichen Luftwaffe im Raum Kidal und nördlich davon

    Nach eigenen Angaben hatte sie bei Angriffen in der Nacht (!) zu Sonntag dreißig Maschinen im Einsatz, ohne allerdings Aufklärungs- und Kampfmaschinen zu scheiden. Als Ziele wurden "Verstecke", "Rückzugslager" und "Waffen- und Munitionsdepots der Islamisten" angegeben.

    "Die Angriffe in der Gebirgsregion Aguelhok rund hundert Kilometer nördlich von Kidal waren laut dem französischen Generalstab «ziemlich bedeutend».

    heißt es euphemistisch im Schweizer Tagesanzeiger. Glaubt man dem malischen Propagandaportal "maliweb", das zahlreiche Artikel und Meldungen veröffentlicht, aus denen rassistische Hetze gegen Araber und Berber freizügig quillt, waren diese Angriffe vom französischen Präsidenten persönlich befohlen:

    "Jetzt muß es in Richtung Norden weiter gehen, um diese Operation zusammen mit den afrikanischen Truppen abschließen zu können"

    Afrikanische Truppen im Norden des Azawad - wäre das ein sinngemäß korrektes Zitat, handelte es sich um die Ankündigung eines Kriegsverbrechens vom Schlage der Massaker von Sabra und Shatila, wo Ariel Scharon und seine Kumpane Tausende Palästinenser von christlichen Falangisten niedermachen ließ - nur von voraussichtlich größerer Dimension!

    Logisch wäre diese "Strategie" nachvollziehbar. Jemand, der die sozialökonomischen Ursachen der Rebellionen im Azawad, die Landnahme, den Hunger, Durst, und die Zerstörung der Lebensgrundlagen, für deren Ersatz der Drogen-, Waffenschmuggel und Menschenhandel herhielt, nicht wahrhaben will, muß die Unabhängigkeitsbestrebungen der Touareg für das Kernproblem militärischer Ordnungsmacht halten, an das sich das "Problem" des islamischen  Banditismus und des takfirischen Fanatismus nur opportunistisch anschließt.
    Und vom Standpunkt der Zentralmacht stellt sich die Lage sowieso ähnlich dar, wie für die europäische Polizei, wenn sie es mit Staatsfeinden von "Links" und "Rechts" zugleich zu tun hat. Dann gilt es aufgrund der angenommenen prinzipiellen Feindschaft der Linken - gegenüber der im Kern patriotischen Staatsgegnerschaft der Rechten -  zunächst die Linke platt zu machen, damit sie auf gar keinen Fall von den Maßnahmen gegen die Rechte profitiere. Der "Gau" für bürgerliche Staatspolizeien ist,  zugunsten einer "Linken" gegen die "Rechte" einschreiten zu sollen. Genauso unzumutbar ist es für die malische Zentralmacht, mit den Touareg, zumal den Anhängern der MNLA,  gemeinsame Sache gegen die Islamisten zu machen. Also müssen von ihrem Standpunkt aus erst die Touareg weg, bevor man sich um das "Problem" der Islamisten kümmern kann.

    Für die französischen Interventionstruppen stellt sich die Sache gewiß nicht so klar dar, wollen sie ihre Rolle doch rasch erledigt sehen, und deshalb mag man im Élysée-Palast eine Weile erwogen haben, den Burgfrieden, den die MNLA zugunsten von Verhandlungen über eine (Teil-)Autonomie anbot und die gewünschte Zusammenarbeit gegen Ansar Dine, Mujao und AQMI anzunehmen, und die Regelung eines föderalen Verhältnisses der malischen Landesteile den Eingeborenen zu überlassen. Andernfalls hätte Laurent Fabius vor Tagen, als er sich in diese Richtung äußerte, glatt gelogen, um die Kämpfer und Aktivisten der MNLA in eine tödliche Falle zu locken, und Frankreich ist zu wenig Bananenstaat, als daß ein Außenminister eine solch "schäbige" Rolle spielen mag.
    Deshalb ist zu befürchten, daß der fulminante Luftwaffeneinsatz im Norden die Folge eines Beschlusses ist mit dem Problem der Touareg so gründlich aufzuräumen, wie ich das von Beginn an auf der Grundlage systemlogischer Überlegungen angenommen habe.

    Es bleibt noch immer möglich, daß die Angriffe, die nach Angaben in "El Watan" speziell Refugien der Führungscliquen der Ansar Dine und AQMI  gelten sollen, auf einer Zusammenarbeit mit der MNLA beruhen, deren Leuten die Refugien des Gegners bekannt sein dürften. Doch die MNLA schweigt seit 2 Tagen ausdauernd. Man kann das in die eine wie andere Richtung auslegen. Ich hoffe sehr, der Grund sind taktische Rücksichten.

    Einen der möglichen Gründe eines französischen Beschlusses zum Overkill gegen die Volksgruppe der Touareg könnte Maliweb in einer Notiz von heute, Sonntag, 10:27 Uhr beschrieben haben:

    « Wir können nicht ohne die Araber und Touareg leben » - Davon zeigt sich der Bürgermeister von Timbuktu, der soeben von französischen und malischen Soldaten zurück eroberten Stadt, überzeugt: «Wir können nicht ohne die Araber und Touareg leben » die sich auf der Flucht befinden, weil sie beschuldigt werden, die Islamisten unterstützt zu haben. Die zwei Ethnien, die von der mehrheitlich (?!) farbigen Bevölkerung "die Weißen" genannt werden, sind aus Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen (1) ausgerissen (ont déguerpi). « Sie waren unsere Brüder, die mit uns unter einem Dach lebten, bevor sie diese Schweinerei angerichtet haben», stellt Hallé Ousmane Cissé traurig fest, der fast die ganzen langen Monate der Besatzung Timbuktus in der Stadt ausgeharrt hat. « jusqu’au 2 janvier ». Letzten Dienstag loderte der Haß in der Stadt, als Hunderte sich an Plünderungen der Geschäfte beteiligten, die Arabern gehört hatten, den « Terroristen, die man töten muß », wie die Vandalen behaupten.  « Das ist wirklich sehr schade ... », sagt M. Cissé zögernd. «Ich weiß nicht, was ich sagen soll. All dies Plündern; und was man dabei gefunden hat (…). Da gab es Munition, Waffen. Was haben Waffen und Munition in Geschäften zu suchen? » Doch trotz seiner Bitterkeit versucht M. Cissé an die Zukunft zu denken: « Da ich gewählt bin, ist es meine Aufgabe zur Zurückhaltung und zur Vergebung aufzurufen. Wir müssen in Frieden miteinander auskommen.  ». Und er fügt hinzu: « Jetzt muß jeder die Bewährungsprobe bestehen, jetzt ist die Zeit, in der wir erkennen werden, wer wer ist." ... «Ich sage nicht, daß es keine Ausschreitungen geben wird», fährt er fort, und:  «es kommt darauf an, die Leute dafür empfänglich zu machen, Block für Block, Quartier für Quartier, daß wir nicht ohne die Araber und Touareg leben können ».

    Die Franzosen haben alle Schleusen für Pogrome, für den Rassenhass geöffnet, der sich zum Teil aus einer kaum drei Generationen alten Vergangenheit nährt, da Berber- und Araberstämme  als Sklavenhalter in einer kastenförmigen Arbeitsteilung fungierten, Strukturen, die hier und da bis heute fortdauern und Spuren in der ständischen Gliederung der Clans und Stämme hinterlassen haben. Es ist vorstellbar, daß diejenigen, die die Entscheidungen getroffen haben, nichts davon gewußt haben, aber es ist kaum vorstellbar, daß ihre Berater es ihnen nicht gesagt haben.  Es ist möglich, daß sie auf die Berater hörten, und die Verhältnisse als Chance und Gelegenheit willkommen hießen - so wie Ariel Scharon im Falle von Sabra und Shatila, aber das erscheint mir wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre, daß die französische Führung die Flucht nach vorn antritt und unter der Deckung einer Nachrichtensperre, die zu brechen kein relevantes Staatswesen interessiert ist, ein "Ende mit Schrecken" einem Schrecken ohne Ende vorzieht, aus dem man die Anwälte des "Menschenrechtes" - wieso ist das nicht langsam bloß noch ein Schimpfwort?! - weniger leicht heraus halten kann und das obendrein ungemein geschäftsschädigend wäre.

    Wenn ich dem amtierenden "Präsidenten" Mali's zuhöre, scheint mir jedenfalls das Schicksal der Berber besiegelt:

    Bamako - Der Übergangspräsident Dioncounda Traoré hat am Samstag versprochen, daß es keinerlei Ausschreitungen, keinerlei Begleichung alter Rechnungen, keine Repressalien nach der Rückeroberung des malischen Nordens geben wird.

    Wenn der Traoré das verspricht, dann wird das auch so sein, hein?

    "Laßt euch in der Euphorie der wiedergewonnenen Freiheit niemals zu Ausschreitungen hinreißen, zur Rache. Ich weiß, daß ich auf euch zählen kann,  daß es keinerlei Ausschreitungen, keinerlei Begleichung von Rechnungen geben wird", verkündete der malische Staatschef während einer Rede auf dem Platz der Unabhängigkeit, an der Seite des französischen Staatspräsidenten François Hollande. ... Bis zur Stunde verhalten sich unsere Truppen nahezu vorbildlich, und wir werden gegenüber denjenigen, die die Regeln der Kriegführung und des Menschenrechts verletzen keine Nachsicht üben", versprach Dioncounda Traoré, hoffend, daß es null Auswüchse, null Repressalien, null Ausschreitungen geben wird.

    Dem Mann wird geholfen werden, fürchte ich.

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